Shu Ha Ri oder wie führe ich Scrum ein

Was ist Shu Ha Ri?

Shu Ha Ri kommt von den japanischen Kampfkünsten und beschreibt ein Lernkonzept, welches über drei Stufen vom Anfänger bis zum Meister geht (siehe auch Budopedia).

Shu

Shu Ha Ri: Shu
Shu Ha Ri: Shu

Shu ist der erste Schritt auf dem Weg. Übersetzt bedeutet Shu befolgen, beschützen, verteidigen oder auch einhalten.

In dieser Stufe werden die Anweisungen des Meisters kopiert, befolgt bzw. nachgeahmt. Die Regeln und Anweisungen, welche der Meister vorgibt, werden, ohne diese zu hinterfragen, befolgt. Der Meister gibt dem Schüler Rückmeldungen und beschützt ihn vor Schaden.

Ha

Shu Ha Ri: Ha
Shu Ha Ri: Ha

In der Ha Stufe beherrscht der Schüler die Techniken und hat jetzt die Aufgabe, die Hintergründe zu hinterfragen und zu verstehen.

Übersetzt bedeutet Ha zerreißen oder auch durchbrechen.

Ri

Shu Ha Ri: RI
Shu Ha Ri: RI

In dieser dritten Stufe ist der Schüler zum Meister geworden. Er hat das Gelernte vollständig verstanden und ist jetzt in der Lage, eigene Wege zu gehen. Ebenso ist er in der Lage, neue Regeln zu erstellen und das, was er beherrscht, weiterzuentwickeln.

Übersetzt bedeutet Ri sich trennen, sich entfernen oder auch abschneiden.

Shu Ha Ri und Scrum

Doch was hat dies alles mit Scrum zu tun?

Im Internet findet man diese beiden Begriffe oft im Zusammenhang. Beispielsweise bei SolutionsIQ oder auch in Blogs der ScrumAlliance.

Grundsätzlich geht des darum, wie Scrum eingeführt werden sollte.

Wird Scrum neu eingeführt und das Team kennt sich mit Scrum nicht aus, so sollte in der ersten Stufe Scrum zu 100% nach Lehrbuch benutzt werden. Die Definition von Scrum wurde von den beiden Erfindern von Scrum „Jeff Sutherland“ und „Ken Schwaber“ im Scrum Guide festgelegt. Auch können meine Blogs „Überblick über Scrum“ und „Wie ich mich auf meine Scrum Master Zertifizierung vorbereitet habe“ und das „Agile Manifest“ hilfreich sein.

Beherrscht das Team die Techniken von Scrum, geht es daran zu verstehen, warum es die einzelnen Teilbereiche gibt und für was diese nützlich sind. Auf dieser Stufe fängt das Team vorsichtig an, einzelne Elemente zu ändern, zu ergänzen oder auch zu streichen.

Arbeitet das Team über mehrere Jahre mit Scrum und hat das Wissen über einen ständigen Verbesserungsprozess „perfektioniert“, so ist des in der Lage, von Projekt zu Projekt ein eigenes Scrum zu „erfinden“, welches für das Projekt maßgeschneidert ist. Dies setzt die meisterliche Beherrschung von Scrum voraus.

Shu Ha Ri, Scrum und die Realität

Das oben beschriebene passt wunderbar zu kleinen, agilen Entwicklerteams, welche „unbelastet“ sind und neu mit Scrum starten wollen.

In größeren Firmen und Konzernen wird aber i.d.R. schon seit Jahrzehnten Projektmanagement im klassischen Stil (bzw. nach dem Wasserfallmodell) genutzt. Dort gibt es große Projekte mit über 30, 50 oder auch 100 Personen, welche Laufzeiten von zum Teil mehreren Jahren haben. Eine Umstellung nach dem oben beschriebenen, würde kein Manager (Projekt Sponsor) genehmigen. Ebenso würden die Projektteams, welche seit Jahren klassisch arbeiten, genauso wenig diesen Weg mitgehen. Hier müssen andere Wege gefunden werden und diese werden so vielschichtig sein, wie die Unternehmen, die diese Wege suchen. Diese Wege werden i.d.R. in eine Richtung gehen, welche einen Mix aus dem klassischen Projektmanagement und dem agilen beinhaltet.

Dabei ist es zum einen wichtig von Projekt zu Projekt zu entscheiden, wie klar bzw. unklar die Vorgaben sind (was gemacht werden soll) und wie dies umgesetzt werden soll. Hierzu gibt es weitere Informationen in meinem Blog „Agile Projekte vs. phasenorientierte Projekte“ (siehe dort u.a. „Stacey Matrix“). Zum anderen muss realistisch eingeschätzt werden, wie bereit das eigene Unternehmen für agile Methoden ist. Ein langsamer, sanfter Einstieg mit einzelnen hilfreichen Bausteinen ist hier empfehlenswert (siehe Blog „Agiles und phasenorientiertes Vorgehen im Team“ und „IT-Kanban und Scrum im Team„).

Bedacht werden sollte dabei immer, dass Prozesse, Methoden, Frameworks und Tools nur das Projektteam unterstützen sollen, damit das Team das Projektergebnis zeitgerecht, in der vereinbarten Qualität und dem genehmigten Budget liefert. Sie sind die „Mittel zum Zweck“ und erlaubt ist, was hilft und das Risiko reduziert.

 
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