IT-Kanban und Scrum im Team

Programm -- Scrum -- Kanban

Was sind die Unterschiede zwischen IT-Kanban und Scrum?

Oder ist Scrum die Weiterentwicklung von IT-Kanban?

Können beide Modelle sinnvoll parallel genutzt werden?

Grundlagen

Wie Scrum bzw. IT-Kanban funktionieren wurde in den Blogs „Überblick über Scrum“ und „IT-KANBAN ein Überblick“ beschrieben.

Ziele

Scrum und IT-Kanban verfolgen viele gemeinsame Ziele, setzen aber auch ganz unterschiedliche Schwerpunkte.

Die beiden nachfolgenden Aufzählungen sind jeweils nur ein Auszug der Ziele, welche von mir für diesen Blog als wichtig angesehen werden.

Ziele von Scrum

  • Ein Produkt weiterentwickeln (durch Product Owner, mit Hilfe von Product Backlog)
  • Kontinuierliche Verbesserung (über Daily, Review, Retrospective), nicht nur des Produkts, sondern auch der Softwareentwicklungsprozesse
  • Enge Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und IT
  • Selbstorganisation des Teams
  • Flexibel sein (Neuorientierung nach jedem Sprint möglich)
  • Schnell erste Ergebnisse liefern können, auch wenn die Fachabteilung noch nicht weiß was sie alles benötigt

Ziele von IT-Kanban

  • Kontinuierlicher Fluss der Arbeit
  • Sichtbarmachen des Arbeitsflusses
  • Begrenzung der gleichzeitig in Arbeit befindlichen Aufgaben
  • Messung und Steuerung des Arbeitsflusses
  • Finden und beseitigen von Engpässen
  • Größere Transparenz und Terminsicherheit (über Serviceklassen und ggf. mit Service Level Agreements) den Fachabteilungen geben

Stärken

Stärken von Scrum

  • Erfolgreiche Arbeit im komplexen Projektgeschäft
  • Erstellung und Weiterentwicklung eines Produktes
  • Hohe Kommunikation (im komplexen Projektgeschäft sehr wichtig)
  • Kontinuierliche Integration der Fachabteilung über den Product Owner
  • Hohe Flexibilität (zu Beginn jedes Sprints wird neu geplant)

Stärken von IT-Kanban

  • Kontinuierliche Verbesserung des Arbeitsflusses eines Teams von Entwicklern
  • Erkennen und beseitigen von Engpässen
  • Schnellere und kontinuierlichere Fertigstellung von Arbeitspaketen
  • Leichte und schnelle Einführung, da bei den Ist-Prozessen begonnen wird
  • Einbindung der Fachabteilungen in die Abarbeitungsreihenfolge der Aufgaben (Verlagerung der Entscheidung „was wird gemacht“ auf die Fachabteilungen)

IT-Kanban gemeinsam mit Scrum

IT-Kanban ist aus meiner Sicht eine hervorragende Unterstützung der Linienorganisation, um hierüber ihr Tagesgeschäft zu planen und steuern. Kommen größere Projekte in das Tagesgeschäft, so können diese über eigene Swimlanes in einem Kanban Board abgebildet werden. Diese Swimlanes bekommen eigene WIP-Limits. Über diese WIP-Limits werden die geplanten Kapazitäten für diese Projekte aus dem Kanban Team bereitgestellt.

Aus Projektsicht wird das agile Projekt über Scrum durchgeführt. Es gibt definierte Sprintlängen, einen Product Owner, feste Plannings, Dailys, Reviews, Retrospectiven, etc. Die gesamte Planung und Steuerung erfolgt über Scrum.

Wird für beides (IT-Kanban und Scrum) ein computergestütztes Tool, wie beispielsweise Jira (von Atlassian) genutzt, so muss auch nichts doppelt gepflegt werden. Zum einen gibt es ein Kanban Board in dem die Aufgaben (Storys) des Entwicklungsteams der Linienorganisation angezeigt werden. Dieses Board enthält auch (über Filter machbar) alle relevanten Storys aus dem Scrum Projekt. Das Scrum Projekt hat wiederum in Jira ein eigenes „Jira-Projekt“ mit einem eigenen Scrum Board. Über dieses Scrum Board wird das Scrum Projekt gesteuert.

Scrum und IT-Kanban
Scrum und IT-Kanban

Geht noch mehr?

Wenn IT-Kanban schon gemeinsam mit Scrum genutzt werden kann, dann sollte es doch auch möglich sein (aber auch sinnvoll?), dies in einem klassischen Projektumfeld zu tun.

Großprojekte

In größeren Firmen werden große Projekte und Programme durchgeführt. Diese haben teilweise nur einen kleinen IT-Anteil. In diesem Umfeld ist das „klassische“ Projektmanagement die mit Abstand am häufigsten genutzte Projektmethodik. Hier werden externe Unterauftragnehmer über Festpreise für eigenständige Gewerke beauftragt, Teile des Projektproduktes werden komplett fremdbeschafft oder auch Standard-Services aus der Cloud eingekauft und eingebunden. Hier kann es sich um Projekte und Programme handeln, welche Laufzeiten von mehreren Jahren und einer Teamgröße von weit über 100 Personen haben.

Projektmanagement nach PMI

Um diese Projekte und Programme erfolgreich zu beenden, müssen viele Managementprozesse beachtet und gesteuert werden. PMI hat diese in seinen Wissensgebieten gut zusammengefasst (siehe auch „Wie funktioniert Projektmanagement auf Grundlage des PMI?„):

  • Integrationsmanagement in Projekten
  • Inhalts- und Umfangsmanagement in Projekten
  • Terminmanagement in Projekten
  • Kostenmanagement in Projekten
  • Qualitätsmanagement in Projekten
  • Personalmanagement in Projekten
  • Kommunikationsmanagement in Projekten
  • Risikomanagement in Projekten
  • Beschaffungsmanagement in Projekten
  • Management der Projektstakeholder

Verbindung der Welten

Doch müssen nicht alle Teilprojekte eines großen Projektes oder kleine Projekte eines Programms komplett im klassischen Projektvorgehen durchgeführt werden. Haben diese Teile den Schwerpunkt der Softwareentwicklung und ist in der IT schon Scrum und / oder IT-Kanban eingeführt, so können die Methoden nicht nur gemeinsam genutzt werden, die richtige Kombination der Methoden kann auch das Risiko reduzieren und somit zu einem erfolgreichen Projekt bzw. Programm führen.

Das Gesamtprojekt bzw. -programm wird anhand der 10 PMI Wissengebiete gemanaged. Der agile Teil wird dabei nur grundlegend im klassischen Modus gesteuert. Die detaillierte Durchführung erfolgt agil (beispielsweise über Scrum; siehe auch Blog „Überblick über Scrum„). Die Personen, welche aus der Linie, für das Scrum Projekt abgestellt werden (ggf. auch nur zu einem bestimmten Prozentsatz), bearbeiten ihr Tagesgeschäft über IT-Kanban. Dann kann die Zusammenarbeit, wie im vorherigen Kapitel „IT-Kanban gemeinsam mit Scrum“ beschrieben, erfolgen.

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