Agile Projekte vs. phasenorientierte Projekte

Agil vs phasenorientiertes Projektmanagement

Start-Up Unternehmen:
Agil ist „state of the art“. Das ist super und das wird auch immer super sein. Der ganze phasenorientierte Kram ist total veraltet und solche Projekte scheitern ja auch fast immer. Das sollte ja inzwischen jeder bemerkt haben.

Klassischer Konzern:
Agil, das machen doch nur so Freaks in winzigen Firmen, die ein paar kleine Webseiten schreiben. Wenn es um richtige (große) Projekte geht, in denen geschäftskritische Prozesse angepasst werden, wie beispielsweise in SAP, dann funktioniert nur „richtiges“ Projektmanagement.

Was ist richtig?

Wie so oft, haben auch hier beide und wiederum keiner Recht. Was sinnvoll ist, das hängt von der zu lösenden Aufgabe ab.

Als gute Entscheidungshilfe gibt es zum einen von Ralph D. Stacey die nach ihm benannte Stacey Matrix und zum anderen von Dave Snowden das Cynefin-Framework.

Stacey Matrix

Stacey Matrix
Stacey Matrix

Die Stacey Matrix unterteilt Aufgaben in die vier Kategorien „einfach“, „kompliziert“, „komplex“ und „chaotisch“.

Ist klar und verständlich was gemacht werden soll (Aufgabenstellung) und ist ebenso klar und erprobt wie diese Aufgabenstellung gelöst wird, dann ist die Aufgabenstellung „einfach“. Sobald in einem oder sogar in beiden Bereichen (was & wie) Unklarheiten herrschen, wird die Aufgabenstellung komplizierter oder sogar komplex. Ist völlig unklar was, wie gemacht werden soll, so befinden wir uns in einem chaotischen Zustand.

Cynefin-Framework

Cynefin-Framework
Cynefin-Framework

Das Cynefin-Framework hat fünf Domänen. Die ersten vier Domänen gleichen den vier Kategorien der Stacey Matrix. Die fünfte Domäne ist der Zustand des Nicht-Wissens.

Einfach

  • Es gibt eine klare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung.
  • Herangehensweise: Wahrnehmen — Kategorisieren — Reagieren
  • Methoden: Bewährte Praktiken

Kompliziert

  • Es gibt eine Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, welche aber erst ein Analyse erfordert.
  • Herangehensweise: Wahrnehmen — Analysieren — Reagieren
  • Methoden: Gute Praktiken

Komplex

  • Die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung kann erst im Nachhinein erfasst werden.
  • Herangehensweise: Nachforschen — Wahrnehmen — Reagieren
  • Methoden: Neue Praktiken

Chaotisch

  • Es gibt keine erkennbare Beziehung zwischen Ursache und Wirkung.
  • Herangehensweise: Ausprobieren — Wahrnehmen — Reagieren
  • Methoden: Innovative Praktiken

Wann nutze ich welche Vorgehensweise?

Einfache Aufgaben

Bei einfachen Aufgaben ist klar was gemacht werden soll und wie dies erledigt wird. Dies sind Dinge, welche schon oft so oder so ähnlich gemacht wurden.

Diese Aufgaben können ganz „normal“ im Tagesgeschäft erledigt werden. Hierzu gibt es bewährte Praktiken, welche anzuwenden sind.

Komplizierte Aufgaben

Ist eine Aufgabe schwieriger bzw. komplizierter, so sollten Maßnahmen getroffen werden, um das Risiko des Scheiterns zu reduzieren. Hierfür gibt es das klassische Projektmanagement. Dieses kann mit einem überschaubaren Aufwand zur Erledigung dieser Aufgaben (Projekte) genutzt werden. Eine strukturierte Vorgehensweise, in der, nachdem die Aufgabenstellung verstanden wurde, geplant und danach durchgeführt wird, liefert hier gute Ergebnisse.

Wichtig ist, dass der Kunde weiß was er will und dies auch verständlich dokumentiert hat. Auch werden während der Projektlaufzeit keine Änderungen erwartet.

Werden hier im „Komplizierten“ die komplexe Methoden genutzt, entstehen unnötige Verwaltungsaufwände, welche das Projekt ineffizient machen können.

Komplexe Aufgaben

Da bei komplexen Aufgaben die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung erst im Nachhinein erkannt werden können, müssen andere Methoden genutzt werden.

Dies Methoden müssen flexibel auf neue Erkenntnisse reagieren können. Diese Flexibilität wird allerdings mit höheren Verwaltungsaufwänden bezahlt.

Beispielsweise gibt in Scrum, bei einem zweiwöchentlichen Sprint, ein Planning 1, ein Planning 2, ein Review, eine Retrospective, täglich Dailys und mehrmals die Verfeinderung des Product Backlogs. Dies kostet Zeit und damit Geld.

Agile Methoden können aber bei solchen Aufgabenstellungen flexibler reagieren, wenn beispielsweise die Anforderungen dem Fachbereich noch nicht vollständig bekannt sind. So kann von Sprint zu Sprint definiert werden, was umgesetzt werden soll und wann genügend umgesetzt wurde, so dass das Projekt beendet werden kann.

„Chaotische“ Aufgaben

Als erstes sollte bei solchen Aufgaben überlegt werden, ob man die Zeit und damit die Kosten in ein Projekt investieren will, bei dem weder bekannt ist was man erstellen möchte, noch wie man zu diesem unbekannten Ziel kommt. Oft sind hier Studien oder Auftragsklärungen angebracht. Mit diesen versucht man von dem chaotischen Bereich in den komplexen Bereich zu kommen. Ist dies nicht möglich und soll trotzdem das Projekt durchgeführt werden, so sollte so innovativ wie möglich an diese Aufgabenstellung herangegangen werden.

Kann auch gemixt werden?

Doch wie immer besteht die Welt nicht nur aus „Schwarz“ und „Weiß“ oder wie hier aus vier Farben (einfach — kompliziert — komplex — chaotisch). Es gibt immer Grautöne und diese liefern auch oft die besten Ergebnisse.

Können also agile und phasenorientierte Vorgehensweisen gemixt werden?

Gibt es einen agilen Wasserfall?

Oder gibt es eine phasenorientierten Sprint?

Was kann man sich darunter vorstellen?

Dies werde ich in meinem nächsten Blog „Agiles und phasenorientiertes Vorgehen im Team“ behandeln.

 
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